Podiumsdiskussion zu Osteuropa: Ein gelungener Abend!

Das Hilgenfeld war bis zum letzten Raum gefüllt. Nachdem Sarah Grandke die einleitenden Worte sprechen durfte, zeigten wir Miriam Triebes Fototrailer. Bereits im Vorfeld war sie hierfür eigens über den Campus und die Stadt gekarrt und hatte den Leuten das Mikro vor die Nase gehalten. Frage: Was sind ihre Eindrücke zu Osteuropa? So sind viele tolle Assoziationen und Wortzitate zusammen gekommen, die untermalt mit passenden Bildern den Zuschauern einen guten Einstieg boten. Die Reaktion: Klatschen und lachender Beifall.

Viele Leute im HilgenfeldGelungener Mischung: Moderator und Referenten

Dies war das Startsignal für Sergej Lochthofen, ehemaliger Chefredakteur der TA, der von nun an pointiert und gekonnt die Moderation übernahm. Selbst gebürtig aus Russland stammend, war er in der Lage, die unterschiedlichen Referenten einzubinden und das Gespräch spannend zu leiten.

Zudem zeigte sich schnell die gelungene Mischung der Referenten. Zum Einen war da Dr. Sapper, Chefredaktuer der Zeitschrift „Osteuropa“, der immer wieder seine differenzierte Analyse über die politische Gegenwart Osteuropas zum Besten gab. „Wir müssen uns vor Augen halten, dass diese Länder drei Systemwechsel in kürzester Zeit durchlebten. Die wahren Sieger sind die „Komorows“ und jene Journalisten, die diese ohne Zynismus überstanden  und immer wieder auf die Menschenrechte aufmerksam gemacht haben.“

In der Mitte saß dann der ruhige Pol: Frau Kraft, Professorin am Lehrstuhl für osteuropäische Geschichte an der Uni-Erfurt, versuchte mit ihrem Blick in die Vergangenheit schnell ein generelles Osteuropabild zu verwerfen. „Es gibt eigentlich kein Osteuropa.“ Die im Zuge der Türkei und namentlich von dem bekannten Historiker Wehler hervorgebrachte Frage nach den Grenzen Europas – auch mit Blick auf die Ukraine –  deutete sie als eine „doch arg kulturalistische Argumentation“. Dem stimmte Dr. Sapper zu. Die Lebenswelten innerhalb der Staaten unterscheiden sich bereits sehr stark. So sind die Metropolen Moskau, Warschau in ihrer „Modernität“ vermutlich teilweise Deutschland voraus.  „Moskau ist insofern nicht europäischer als Erfurt“.

Dies alles wurde abrundet von Landolf Scherzer. Als Buchautor, Journalist und Abenteurer war er durch Osteuropa gereist – sei es auf umgemodelten Traktoren oder auf den eigenen Beinen. Mit viel  Witz und ostdeutscher Bodenständigkeit erzählte er von den Menschen, die er lieb gewonnen und in sein Herz geschlossen hat: „Wenn du in einem Dorf irgendwo in Rumänien mit den Bauern sprichst und die dich in dem Kinderbett neben der Oma schlafen lassen, dann weist du wieder das Grundsätzliche des Lebens zu schätzen. Da fühle ich mich mehr verbunden als etwa mit einem Banker aus Frankfurt.“

Nachdem das Publikum auch seine Fragen stellen konnte, gab es zum Abschluss noch Pirroggen und andere Spezialitäten aus Osteuropa. So manch einer nutzte die Gelegenheit noch ein wenig zu verweilen, Bier zu trinken, mit oder ohne die Referenten über die neu gewonnenen Eindrücke zu reden. Kurzum: Ein gelungener Abend für die JEF-Erfurt

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